Sunday, July 12, 2020

Sportfreunde Oppenrod feiern 100-jähriges Jubiläum!

Buseck (siw). Anlass für einen Blick zurück auf die Anfänge bietet das 100-jährige Bestehen der Sportfreunde 1910 Oppenrod. Die Männer der ersten Stunde – so ist es im Gründungsprotokoll festgehalten – hoben im Gründungs- und Vereinslokal »Zum kühlen Grund« am 1. August 1910 den Verein aus der Taufe.

Unter dem Namen »Frei Heil Oppenrod« machte man es sich zur Aufgabe »mit dem Sport dem schaffenden Menschen für die einseitige Belastung durch seine Arbeitsstelle einen Ausgleich zu schaffen und ihn demokratisch zu schulen«.

Unter dem Motto »Frisch, Frei, Stark, Treu« stellte man sich in der Tradition des Arbeitersports in Opposition zu den bürgerlichen Turnern, deren Wahlspruch »Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei« lautete. Turnen und Gewichtheben waren die ersten Sportarten, die in dem neu gegründeten Verein betrieben wurden. Die Hanteln der Gewichtheber waren Marke »Eigenbau« und bestanden aus Wasserleitungsrohren und Betonklötzen. Ein Reck und ein Barren waren die ersten »richtigen« Turngeräte, die von Spenden der Mitglieder und einer kleinen Unterstützung vom Turnerbund angeschafft wurden.

Zum ersten Vorsitzenden wählte man Wilhelm Haas, Stellvertreter war Karl Balser, erster Turnwart Johann Haas und Vereinsrechner Heinrich Ludwig Balser. Ludwig Haas, Wilhelm Schmidt und Heinrich Balser II. gehörten ebenfalls dem Gründungsvorstand an. Karl Andreas Balser, Gustav Kinzebach, Wilhelm Balser I., Fritz Haas, Wilhelm Balser II., Karl Bender, Johann Döring und Georg Schmidt hießen die weiteren Gründungsmitglieder. Nach der Gründung traten dem Verein viele Jugendliche bei. Sie durften aber nicht als Mitglieder geführt werden, da sie noch keine 16 Jahre alt waren. Im Reich Wilhelms II. wurde eine Freie Turnerschaft als ein SPD-Verein angesehen.

Bereits beim Bezirksturnfest im Juli 1911 in Gießen stellten die Oppenröder eine Musterriege am Reck, 1912 nahm eine neun Mann starke Riege am Westdeutschen Bundesfest in Offenbach teil. Eine Halle für den Turnbetrieb wurde im Garten der Wirtschaft Döring in Eigenregie errichtet. Unter Leitung des zweiten Vorsitzenden Karl Balser wurde ein Spielmannzugs ins Leben gerufen, der die Turner auf ihren Märschen begleitete.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 hatte »alle Turnerei« ein Ende. Im Mai 1919 nahm der Verein unter Führung des ersten Vorsitzenden Wilhelm Haas den Turnbetrieb wieder auf. Um den Wiederaufbau erwarben sich der 1920 neu gewählte Vorsitzende Heinrich Ludwig Balser und die damaligen Turnwarte Wilhelm Balser VIII. und Heinrich Balser XIII. sowie der erfolgreiche Leichtathlet Wilhelm Schwarz große Verdienste. 1926 wurde eine erste Jugendfußball-Mannschaft in die Verbandsrunde geschickt.

Im Februar 1927 erhielt der Verein die Genehmigung zum Bau eines Sportplatzes am Lohberg, 1930 feierte man Einweihung. 1931 wurde die Kinderturnabteilung gegründet. »Das Jahr 1933 brachte die dunkelsten Stunden der Vereinsgeschichte«, ist in der Chronik zu lesen. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde der Arbeit-Sport-Bund »Frei-Heil« aufgelöst, allen angeschlossenen Vereinen jegliche sportliche Betätigung verboten und das Vereinsvermögen beschlagnahmt.

Am 1. September 1945 erfolgte die Neugründung unter dem Namen »Sportfreunde« Oppenrod 1945. Das Vereinslokal blieb das alte. Zum Vorsitzenden wurde Georg Böth gewählt und zum stellvertretenden Vorsitzenden und Sportleiter Wilhelm Rüster, der bereits ein Jahr später den Vorsitz übernahm. »Der Zweck des Vereins ist die Hebung und Förderung der Volkskraft und Volksgesundheit durch Pflege der Leibesübungen auf volkstümlicher Grundlage als Mittel zur körperlichen und geistigen Bildung seiner Mitglieder, auf gemeinnütziger Grundlage«, hieß es nun in der Satzung. Die erste Aufgabe der neuen Vereinsführung war es, die beschlagnahmten Sportgeräte und den Sportplatz wieder sicherzustellen.

Es wurde wieder Fußball gespielt und 1946 eine Damen-Handballmannschaft gegründet. 1947 folgte die Gründung einer Tischtennisabteilung. Niemand konnte damals ahnen, dass diese Abteilung einmal das Aushängeschild des Vereins werden würde. 1950/51 galt das Hauptaugenmerk dem Sportplatzausbau, 1953 wurden Umkleidehäuschen erstellt.

Im Juni 1960 konnte das 50-jährige Jubiläum mit einem großen Kommersabend gefeiert werden. Vorsitzender Rüster schloss seine Festrede mit »Jahre verrauschen im Strome der Zeit – Ideale bleiben in Ewigkeit«.

16. September 1961: Ein Schock für die Familie und für die Sportfreunde: Vorsitzender Wilhelm Rüster verunglückte bei Bauarbeiten am Haus seines Sohnes. Sein Tod war ein Verlust, den auch der Verein nur langsam überwinden konnte. Der seitherige stellvertretende Vorsitzende Alfred Wiche übernahm die Vereinsführung. 1965 bis 1968 stand die Neuanlage des Sportplatzes an. 1970 wurde die Gymnastikabteilung gegründet. 1973 übernahm Hans-Dieter Ottersbach das Ruder. Die Leichtathletik-Abteilung wurde 1974 gegründet.

Das neu erstellte Sportheim konnte im November 1975 eingeweiht werden. Vorsitzender war zu diesem Zeitpunkt bereits Rudi Schmidt, der 1978 ins zweite Glied zurücktrat und Walter Blaschke den Vorsitz überließ. 1982 stand Blaschke nicht zur Wiederwahl, Hans-Dieter Ottersbach übernahm erneut die Vereinsleitung.

1985 war wieder ein Festjahr mit Kommers. 1988 trat Dr. Ewald Döring das Amt des Vorsitzenden an, und von 1993 bis 2007 hat Harald Rüster die Sportfreunde geführt.

2001 wurden durch eine Satzungsänderung die Ämter des Ersten und zweiten Vorsitzenden und deren Stellvertreter in die Bereiche »Sport« und »Verwaltung« unterteilt, mit dem Ziel, die stetig wachsenden Anforderungen auf mehrere Schultern zu verteilen. Für den Bereich »Verwaltung« zeichnete Renate Renger verantwortlich. Nach langjähriger Vorstandstätigkeit als Abteilungsleiter, Vorsitzender und zuletzt Beisitzer zog sich Harald Rüster 2009 aus der Vereinsarbeit zurück. Den Vorsitz für den Bereich »Sport« übernahm 2007 Heiko Metz.

Aus personellen Gründen war bei der Vorstandswahl in 2009 eine Doppelbesetzung nicht mehr zu realisieren, sodass Renate Renger nun als stellvertretende Vorsitzende fungiert, aber wie seit neun Jahren federführend den Bereich »Verwaltung« für den aktuell 434 Mitglieder starken Verein schultert.

Der weitere Vorstand im Jubiläumsjahr: Kassenwart Sebastian Steinbrecher, Schriftführerin Renate Sälinger, Beisitzer Jutta Runkel, Silke Weiß und Rainer Becker.

Dieser Artikel wurde verfasst von Siggi Wagner und zur Verfügung gestellt von